Leukämie
Unser Leitbild
Der Begriff „Leukämie“ (weißes Blut) steht für verschiedene Erkrankungen des Blutes und des blutbildenden Knochenmarks. Eine Leukämie ist nicht auf ein bestimmtes Organ begrenzt, sondern betrifft den gesamten Körper. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen chronischen und akuten Leukämien.
Hintergrund
Entstehung, Verlauf, Ursachen
Viele akute Leukämien sind durch eine deutlich erhöhte Anzahl an weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gekennzeichnet und gehen oft mit schweren Krankheitssymptomen einher. Sie bilden sich aus unreifen Vorläuferzellen des Knochenmarks und schreiten rasch fort. Ohne eine Therapie sind akute Leukämien lebensbedrohlich: Durch eine Verdrängung der normalen Blutbildung und eine schnell ansteigende Zahl überwiegend weißer Blutkörperchen führen sie zum Tod. Wir können viele Patienten mit akuten Formen jedoch erfolgreich behandeln. Dabei sind komplette Rückbildungen (Remissionen) und auch Heilungen möglich.
Chronische Leukämien entwickeln sich meist sehr langsam. Sie werden häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Der Verlauf chronischer Leukämien variiert von Patient zu Patient. Gelegentlich haben sie nur geringen Einfluss auf die Prognose der Lebensqualität und der Lebenserwartung eines Patienten.
Die Ursachen von Leukämien sind vielfältig. Die genetische Veranlagung scheint nur eine geringe Rolle zu spielen. Kontakt mit hohen Konzentrationen einiger chemischer Substanzen (z.B. Benzol, Farben, Mineralöle, Pestizide und Herbizide) erhöht das Leukämierisiko ebenso wie eine hohe Dosis radioaktiver Strahlung. Allerdings ist ein direkter Zusammenhang nur sehr selten gegeben. Auch eine vorangehende Chemotherapie kann eine Leukämieentstehung begünstigen. Aber in den meisten Fällen bleibt die Ursache der Erkrankung verborgen.
Symptome
Akute Leukämie
Die Symptome einer akuten Leukämie entwickeln sich normalerweise innerhalb weniger Wochen. Viele Patienten berichten über Müdigkeit, Luftnot bei geringer Belastung, Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, Nachtschweiß und eine zunehmende Leistungsschwäche. Zudem neigen sie zu Infektionen der Haut, Schleimhäute und der Atemwege. Blutungszeichen mit kleinen Haut- und Schleimhautblutungen sind von Bedeutung. Teilweise sind Leber- und Milz vergrößert, seltener Lymphknoten. Vereinzelt ist auch das zentrale Nervensystem mit neurologischen Veränderungen (Sehstörungen, Augenmuskellähmungen) beteiligt. Oft findet man schon im Blut sehr viele weiße Blutzellen. Manchmal gehen diesen Leukämien auch Knochenmarkserkrankungen wie Myelodysplasien (MDS) oder myeloproliferative Erkrankungen (MPS) voraus. Für die genaue Diagnose ist eine zeitnahe Knochenmarkuntersuchung notwendig.
Chronische Leukämie
Die chronische Leukämie wird überwiegend zufällig entdeckt. Erste Anzeichen können zum Beispiel allgemeines Unwohlsein, Erschöpfung, Nachtschweiß, Fieber oder geschwollene Lymphknoten sein. Manchmal führt eine Anfälligkeit für Infektionen dazu, dass wir der Sache weiter auf den Grund gehen. Die Diagnose wird normalerweise per Blutuntersuchung vermutet, und dann durch eine Untersuchung des Knochenmarks bestätigt. Bei den meisten Patienten sind die weißen Blutkörperchen erhöht.
Ursachen
Diagnostik
Erforderliche Untersuchungen
Zur Diagnose einer Leukämie und zur Abgrenzung anderer Erkrankungen untersuchen wir zunächst das Blut und punktieren danach das Knochenmark. Darüber hinaus werden verschiedene, teilweise sehr aufwendige Untersuchungen aus dem Knochenmark veranlasst. Diese Spezialdiagnostik beinhaltet auch genetische Analysen mit hochauflösenden Techniken. Sie dienen dazu, die Leukämie zu typisieren und einzuordnen, was wiederum für die Therapie ausschlaggebend ist. Die individuelle Bewertung der vorliegenden akuten Leukämie bildet die Basis für alle weiteren Schritte. So beeinflusst sie die Prognose und die Wahl der Therapie (konservative Therapie oder Blutstammzelltransplantation). Zudem kann sie im Verlauf der Behandlung als messbarer Parameter noch verbliebener Leukämiezellen verwendet werden.
Therapie
Akute Leukämien
Patienten mit einer akuten Leukämie erhalten meistens umgehend eine Chemotherapie. Handelt es sich um einen alten Menschen mit akuter Leukämie, ist es manchmal ratsam, zunächst abzuwarten und die Leukämiezellen vorsichtig zu unterdrücken. Bei dieser Behandlung kann der Patient jedoch nicht geheilt werden. Wir kombinieren verschiedene Zytostatika (Medikamente zur Behandlung von Krebs) miteinander, um einen Großteil der Krebszellen zu zerstören.
Die Chemotherapie erfolgt in der Regel in mehreren Zyklen. Zu einem Zyklus wird die Behandlung mitsamt der sich anschließenden Therapiepause gerechnet.
Die Therapiedauer beträgt Monate bis Jahre, abhängig vom Leukämietyp. Eine erste sogenannte Induktionstherapie soll die Krankheit stark reduzieren. Danach folgen Behandlungen zur Konsolidierung, die den Rückfall der Leukämie verhindern sollen. Gelegentlich werden auch länger dauernde Erhaltungstherapien angeschlossen. In manchen Fällen ist bei akuten Leukämien mit bestimmten Prognosemerkmalen eine Transplantation von Stammzellen oder Knochenmark eines fremden Menschen erforderlich. Diese Entscheidung hängt von der Leukämieform ab und davon, welche Besonderheiten ihr zugrunde liegen. Zudem sind das Alter und Begleiterkrankungen des Patienten entscheidend.
Die therapeutischen Maßnahmen finden oft zunächst stationär, später auch ambulant statt. Wir betreuen die Patienten mit akuten Leukämien auf einer spezialisierten Station im St.-Johannes-Hospital.
Chronische Leukämien
Die Behandlung von Patienten mit chronischen Leukämien ist sehr individuell und von der Art der Erkrankung, vom Alter und vor allem von den Begleiterkrankungen abhängig.
Bei chronischen Leukämien kommen ebenfalls eine Chemotherapie, zielgerichtete Medikamente oder eine Stammzellentransplantation (siehe oben) zum Einsatz.
Bei der Chemotherapie werden im Vergleich zur akuten Leukämie weniger aggressive Zytostatika verwendet. Zudem wird die Chemotherapie oft durch weitere Medikamente ergänzt. Viele chronische Leukämien gehören biologisch zu den lymphatischen Neubildungen und werden wie andere Lymphome behandelt.